{"id":442,"date":"2019-06-04T19:08:29","date_gmt":"2019-06-04T17:08:29","guid":{"rendered":"http:\/\/signet.berlin\/?p=442"},"modified":"2019-06-04T19:08:30","modified_gmt":"2019-06-04T17:08:30","slug":"myanmar-land-in-der-selbstblockade","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/signet.berlin\/en\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\/","title":{"rendered":"Myanmar &#8211; Land in der Selbstblockade"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Signet macht Dialog-Forum zusammen mit Goethe-Institut in Yangon<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer an Myanmar denkt, der hat exotische Bilder von goldenen Pagoden, buddhistischen M\u00f6nchen und Nonnen in ihren farbenfrohen Gew\u00e4ndern in Yangon vor Augen. Man denkt an die tausenden von Tempeln in Bagan, die golden im Sonnenaufgang leuchten oder die schwimmenden G\u00e4rten des Inle Sees.  Sicher f\u00e4llt einem auch die Friedensnobelpreistr\u00e4gerin Aung San Suu Kyi ein, die Tochter des Generals, der noch vor der Unabh\u00e4ngigkeit Burmas ermordet wurde, und die jahrelang unter Hausarrest der Milit\u00e4rdiktatur stand. Im Zuge der \u00d6ffnung des Landes wurden Wahlen abgehalten und die Tochter wurde Chief Counselor und gilt im Westen als de-facto Regierungschefin. Wer etwas informierter ist, der denkt auch an einen der l\u00e4ngsten B\u00fcrgerkriege in der Geschichte der Menschheit, der bis heute nicht befriedet ist und dessen Wurzeln weit in die koloniale Geschichte und davor zur\u00fcckreichen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00f6\u00dfte Humanit\u00e4re Katastrophe der Welt neben Syrien und dem Jemen<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Jahre der \u00d6ffnung sind vorbei und die letzten Monate brachten f\u00fcr Myanmar nur noch negative Schlagzeilen in der Weltpresse. Im Rakhine, dem westlichen Staat der Union von Myanmar werden wir Zeugen der gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Katastrophe neben Syrien und dem Jemen. Hunderttausende von Menschen, die zu den Rohingyas gez\u00e4hlt werden und praktisch staatenlos sind, werden brutalst verfolgt, ermordet und vergewaltigt. Wer konnte, der floh nach Bangladesch. Die Bilder dieser brutalen Morde und Vertreibung gingen um die Welt. Und das Morden und die Vertreibung gehen immer noch weiter. Und als w\u00e4re das nicht alles schon schrecklich genug, droht nun seinerseits in Bangladesch die n\u00e4chste Diktatur.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Keine Zeit mehr f\u00fcr Geduld<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Hoffnungen des Westens, dass die Tr\u00e4gerin des Friedensnobelpreises dieser humanit\u00e4ren Katastrophe entgegentreten w\u00fcrde, wurden entt\u00e4uscht. Es offenbart sich nun, dass die Projektion aller Hoffnungen auf eine Person naiv war. Mittlerweile gibt es eine Resolution der UN, die eine strafrechtliche Verfolgung der Menschenrechtsverletzungen in Myanmar fordert. Die westlichen Staaten, allen voran die EU, fordern die Wiedereinf\u00fchrung von Wirtschaftssanktionen gegen das Land. Doch diese w\u00fcrden nicht die Verantwortlichen in Milit\u00e4r und Staat, sondern die Bev\u00f6lkerung und den gerade erst begonnenen wirtschaftlichen Aufschwung treffen. Es ist vor allem der Textilbereich, der wirtschaftlich von der \u00d6ffnung des Landes sehr profitiert hat. Sanktionen w\u00fcrden besonders Frauen schaden, die in diesem Bereich arbeiten, und die damit ihre Einkommensquelle verl\u00f6ren und ihre Familien nicht mehr ern\u00e4hren k\u00f6nnten.  Gleichzeitig hat die W\u00e4hrung bereits massiv an Wert verloren und Korruption beherrscht weiterhin die Wirtschaft. Die Reichen im Land w\u00fcrden sich mit Sanktionen gut arrangieren k\u00f6nnen.  Wer immer diese Missst\u00e4nde im Land anprangert, muss mit der ganzen H\u00e4rte des Regimes rechnen und wird zu harschen Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt. Die beiden Journalisten Wa Lone und Kyaw Soe Oo wurden jeweils zu sieben Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt, weil sie \u00fcber nachweisbare Verbrechen der Milit\u00e4rs berichtet hatten. Erst vor wenigen Wochen wurden sie im Zuge einer Amnesie wieder freigelassen. Ob dies ein Zeichen der Hoffnung ist, bleibt abzuwarten. Der weltweite Einsatz f\u00fcr ihre Freilassung hat jedoch, soviel wird sich sagen lassen, Wirkung gezeigt. Der mutige Polizeibeamte, der zu ihren Gunsten aussagte, wurde aus dem Dienst entfernt und sein Leben und das seiner Familie zerst\u00f6rt. Das Regime fordert Geduld von seinen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, doch diejenigen, die der Opposition noch eine Stimme geben k\u00f6nnen, sind dazu nicht mehr bereit. In ihren Augen muss sich schnell in ihrem Land etwas \u00e4ndern. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Romantische Selbstt\u00e4uschung des Westens<\/h4>\n\n\n\n<p>Das romantische Bild von Myanmar ist also vor allem das: eine westliche Projektion von romantischen Sehns\u00fcchten und Tr\u00e4umen, die stark von post-kolonialen Bildern gepr\u00e4gt ist. Die Realit\u00e4t ist eine ganz andere und da der Tourismus ebenfalls massiv eingebrochen ist, dreht sich die Abw\u00e4rtsspirale immer schneller. Das Regime reagiert fast reflexartig mit Trotz und Selbst-Isolation. Auf der einen Seite werden dadurch die Chinesen noch wichtiger, da diese ihre Unterst\u00fctzung gerade nicht an Menschrechte binden. Auf der anderen Seite werden die Hoffnungen einer ganzen Generation entt\u00e4uscht, die hungrig nach einem Leben sind, das sie gerade angefangen haben, zu erleben. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Neue Wege finden<\/h4>\n\n\n\n<p>In solchen Situationen gibt es keine einfachen L\u00f6sungen. Allgemeine Sanktionen schaffen Opfer unter denen, die bereits Opfer sind. Der Westen mag sich dann beruhigen, dass er ja etwas tut. Gleichzeitig muss er sich dann auch nicht mit seiner eigenen post-kolonialen Verantwortung f\u00fcr die jetzige Situation im Land auseinandersetzen. Aber es existieren heute bessere M\u00f6glichkeiten, wirtschaftlich diejenigen zu treffen, die ihr eigenes Land ausbeuten. Das Einfrieren von ausl\u00e4ndischen Verm\u00f6gen und die Einschr\u00e4nkung der Reisefreiheit k\u00f6nnte gezielt f\u00fcr die Personen veranlasst werden, die sich an den Verbrechen beteiligen und bereichern (sog. smart sanctions). Gleichzeitig w\u00fcrde es den Textilbereich und andere Wirtschaftsbereiche schonen, so dass z.B. keine Frau gezwungen w\u00e4re sich zu prostituieren, um ihre Familie, die von ihrem Einkommen abh\u00e4ngig ist, zu ern\u00e4hren. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Kraft des Dialoges nutzen<\/h4>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig ist es wichtig, dass das Land mit seinem Reflex der Selbst-Isolation nicht zus\u00e4tzlich durch die Reaktionen des Westens zu weiterem R\u00fcckzug ermutigt wird. Es kommt also darauf an, weiter im Gespr\u00e4ch zu bleiben und die moderaten Kr\u00e4fte im Land zu unterst\u00fctzen, wo immer es geht. Kunst und Kultur verm\u00f6gen solche Kommunikationskan\u00e4le offen zu halten, wenn die politischen und wirtschaftlichen Ebenen sich verschlie\u00dfen. Es k\u00e4me also darauf an, ein solches Dialog Forum zu schaffen, ohne dass dadurch die reflexartigen Abwehrreaktionen des Regimes aktiviert werden. Noch herrscht Meinungsfreiheit in Myanmar. Noch besteht die Chance den Dialog mit den Menschen zu suchen und zu intensivieren, die an einer guten Zukunft f\u00fcr dieses Land interessiert sind und die in einer erneuten Isolation die Katastrophe erkennen, die sie ist.  <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kann man sich dar\u00fcber verst\u00e4ndigen, Wie man miteinander sprechen will?<\/h4>\n\n\n\n<p>Spricht man in Myanmar mit Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern so wird diese Idee eines Dialogs sehr positiv aufgenommen. Schnell ist man sich einig, dass es darum gehen muss, die Kraft des Dialoges selbst zum Thema zu machen und jede Form der Irritation dabei zu vermeiden. Das dialogische Konzept ist kein Privileg des Westens. Es hat eine mindestens ebenso lange, wenn nicht l\u00e4ngere Tradition im Osten.  Kunst und Kultur sind angewiesen auf Dialog, sie leben von unterschiedlichen Perspektiven und dem Respekt vor unterschiedlichen Meinungen. Unterschiede sind normal, auch darin waren sich meine Gespr\u00e4chspartner einig. Gelingt es mit Unterschieden respektvoll umzugehen, so k\u00f6nnen sie dazu f\u00fchren, dass gemeinsam etwas Neues geschaffen wird und die Zukunft nicht die Fortsetzung der Vergangenheit sein muss. Es ist alles andere als gewiss. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Dialog-Forum in Yangon<\/h4>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit dem Goethe-Institut in Myanmar haben wir zu Beginn diesen Jahres einen solchen Dialog initiiert und durchgef\u00fchrt. Auf dem Forum haben Politiker_innen, Journalisten_innen und K\u00fcnstler_innen erstmals \u00f6ffentlich miteinander \u00fcber die Kraft des Dialogs und seine Bedeutung f\u00fcr die weitere Entwicklung in Myanmar gesprochen. Das Dialog Forum sollte helfen, denen eine Stimme zu geben, die sonst nicht zu h\u00f6ren sind. Daf\u00fcr war es wichtig, dass jede und jeder in ihrer\/seiner Muttersprache sprechen konnte und die Teilnehmenden aus dem Westen durch \u00dcbersetzung folgen konnten. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 140 Interessierte nahmen am Dialog-Forum teil. Selbstverst\u00e4ndlich kann eine Veranstaltung nur Impulse setzen. Doch dies ist gelungen. so hat die Universit\u00e4t von Mandalay sofort die Gelegenheit ergriffen und nur eine Woche sp\u00e4ter, ein Dialog-Forum zum Thema &#8220;Mediation&#8221; mit Dr. Henschel durchgef\u00fchrt. Auch zwischen den verschiedenen Teilnehmenden des Dialog-Forums in Yangon setzt sich der Dialog fort. <\/p>\n\n\n\n<p>Gelingt es, dass wir uns auf eine gemeinsame Art verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, wie wir miteinander sprechen, dann k\u00f6nnen wir in einem n\u00e4chsten Schritt vielleicht auch \u00fcber die Themen sprechen, die uns heute noch verzweifeln lassen.  Ausf\u00fchrliche Informationen \u00fcber die Menschenrechtssituation in Myanmar finden sich bei Amnesty International: https:\/\/www.amnesty.de\/jahresbericht\/2018\/myanmar <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Signet macht Dialog-Forum zusammen mit Goethe-Institut in Yangon Wer an Myanmar denkt, der hat exotische Bilder von goldenen Pagoden, buddhistischen M\u00f6nchen und Nonnen in ihren&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":449,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[14,11,10,8,16,15,7,9,12,13],"class_list":["post-442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-anke-weimar","tag-dialog","tag-goethe-institut","tag-mediation","tag-mediationsakademie","tag-mediationsakademie-berlin","tag-menschenrechte","tag-myanmar","tag-thomas-henschel","tag-thomas-r-henschel"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Myanmar - Land in der Selbstblockade - SIGNET Berlin<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/signet.berlin\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Myanmar - Land in der Selbstblockade - SIGNET Berlin\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Signet macht Dialog-Forum zusammen mit Goethe-Institut in Yangon Wer an Myanmar denkt, der hat exotische Bilder von goldenen Pagoden, buddhistischen M\u00f6nchen und Nonnen in ihren&hellip;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/signet.berlin\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"SIGNET Berlin\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2019-06-04T17:08:29+00:00\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2019-06-04T17:08:30+00:00\" \/>\n<meta property=\"og:image\" content=\"https:\/\/signet.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/IMG_0909-1024x683.jpg\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:width\" content=\"1024\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:height\" content=\"683\" \/>\n\t<meta property=\"og:image:type\" content=\"image\/jpeg\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Thomas\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Written by\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"Thomas\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:label2\" content=\"Est. reading time\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data2\" content=\"7 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"Article\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/signet.berlin\\\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\\\/#article\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/signet.berlin\\\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\\\/\"},\"author\":{\"name\":\"Thomas\",\"@id\":\"http:\\\/\\\/signet.berlin\\\/#\\\/schema\\\/person\\\/4c049385592ef3a11dc8ce56e1f52678\"},\"headline\":\"Myanmar &#8211; Land in der Selbstblockade\",\"datePublished\":\"2019-06-04T17:08:29+00:00\",\"dateModified\":\"2019-06-04T17:08:30+00:00\",\"mainEntityOfPage\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/signet.berlin\\\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\\\/\"},\"wordCount\":1332,\"image\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/signet.berlin\\\/myanmar-land-in-der-selbstblockade\\\/#primaryimage\"},\"thumbnailUrl\":\"https:\\\/\\\/signet.berlin\\\/wp-content\\\/uploads\\\/2019\\\/06\\\/IMG_0909.jpg\",\"keywords\":[\"Anke Weimar\",\"Dialog\",\"Goethe-Institut\",\"Mediation\",\"Mediationsakademie\",\"Mediationsakademie Berlin\",\"Menschenrechte\",\"Myanmar\",\"Thomas Henschel\",\"Thomas R. 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